• Franz Schnider

Ein Glückspilz, wer seinen Strom selbst produzieren kann


Wir haben Glück. Die Sonne schenkt uns viel mehr Energie, als wir je benötigen werden. Und wir haben Technologien, um diese Energie in Strom umzuwandeln, zu speichern, zu steuern und am Ende dort einzusetzen, wo sie im richtigen Moment gebraucht wird. Ein Glücksfall, denn im Gegensatz zu den Ölscheich’s will die Sonne kein Geld von uns. Photovoltaik heisst die Innovation, welche seit rund 60 Jahren im grösseren Stil eingesetzt wird, um Sonnenlicht in Strom umzuwandeln. Anfänglich war diese Technologie noch teuer und kam nur für spezielle Aufgaben, wie zum Beispiel in der Raumfahrt, zum Einsatz. Heute ist das System dermassen ausgereift und effizient, dass jeder von uns günstig und klimafreundlich selbst Strom ernten kann. Die Module dazu sind sehr einfach aufgebaut. Sie bestehen hauptsächlich aus Glas, Metallen und Silizium, welches nach Sauerstoff das zweithäufigste Element ist. Anders als immer wieder hartnäckig behauptet, kann ein Solarmodul die Herstellungs- und Recyclingsenergie in weniger als zwei Jahren abarbeiten. Ein Ziegel, welcher mit viel Energie gebrannt werden muss, kann auf dem Dach keine Energie produzieren und daher auch seine «graue Energie» nicht selbst kompensieren. Mit dem neuen Energiegesetz wird vorgesehen, dass auch bei uns im Glarnerland die Neubauten mit einer Eigenstromanlage ausgerüstet werden, wie dies beispielsweise in unserem Nachbarskanton Graubünden schon gemacht wird. Mit der Vollzugsverordnung soll festgelegt werden, dass pro Quadratmeter Energiebezugsfläche (nutzbare Wohnfläche, welche beheizt wird) zehn Watt Leistung auf dem Dach oder an der Fassade installiert werden, jedoch nie mehr als 30 Kilowatt. Ein Zahlenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit einer Energiebezugsfläche von 200 m2 müsste gemäss dem neuen Energiegesetz eine Anlage montieren, welche mindestens 2'000 Watt produzieren kann. Dies lässt sich bereits mit fünf Modulen mit einer Leistung von 405 Watt auf einer Fläche von weniger als 10 m2 realisieren. Die Module können auf dem Dach, an der Fassade, als Balkongeländer, als Vordach oder auch als Fensterläden montiert werden. Es empfiehlt sich jedoch die Solaranlage grösser zu bauen, denn mit steigender Leistung steigt auch die Wirtschaftlichkeit. Je grösser die Anlage, desto spannender wird auch das Gesamtsystem. Bei einem Neubau eines Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen und einer Energiebezugsfläche von 1700 m2 würden 42 Module benötigt. Diese belegen beispielsweise auf einem Flachdach nur etwa ein Drittel der Fläche. Nutzt man die ganze Dachfläche und auch einen Teil der Fassade, kann dieses MFH viel mehr Energie produzieren, als für den Betrieb benötigt wird. Ausgestattet mit einem Eigenverbrauchsmanager und einer Batterieanlage wird dieses Gebäude zu einem Kraftwerk. Die Bewohnenden zahlen pro Jahr und Wohnung nur noch rund 300 Franken für das Heizen und Kühlen, für das Warmwasser, den Haushaltsstrom und für ein gemeinsam genutztes Elektroauto. Echte Glückspilze! Auch wenn viele von uns vor Veränderungen Angst haben und am Alten festhalten wollen, so ist die Idee mit der Eigenstromproduktion eine Erfolgsgeschichte. Je früher wir uns von fossilen Energieträgern lösen können, umso besser sind wir auf die Zukunft vorbereitet. Jedes freigesetzte CO2 Molekül bleibt für mehrere hundert Jahre in der Atmosphäre und heizt unser Klima irreversibel an. Wollen wir unseren Kindern nicht noch schlimmere Hitzeperioden oder Stürme als Erbe hinterlassen, so müssen wir so schnell wie möglich vom Öl wegkommen. Wer eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach oder an der Fassade hat, profitiert vom günstigen Eigenstrom, macht sich unabhängiger und hat je nach Installation noch Strom, sollte das Netz mal ausfallen. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie zu den Glückspilzen gehören oder es noch werden. Das wäre auch ein Glücksfall für unsere Kinder und Enkelkinder, die darauf angewiesen sind, dass wir als Gesellschaft bald kein CO2 mehr ausstossen werden. Autor: Franz Schnider, Co-Präsident von KlimaGlarus.ch Dieser Beitrag ist am 9. August in den Südostschweiz Glarner Nachrichten in der Rubrik dem Klima zuliebe erschienen. Vielen Dank.