• Eva Maria Kreis

Mobilitätsvisionen für ein klimaneutrales Glarnerland


Der Strassenverkehr ist in der Schweiz die grösste Einzelquelle für im Inland verursachte Treibhausgas-Emissionen. Und die durchschnittlich mit dem Auto gefahrenen Kilometer nehmen noch immer jährlich zu. Gerade im Kanton Glarus ist der Anstieg besonders spürbar. Auch hier sind unsere motorisierten Fahrzeuge der grösste Klimasünder und die Dörfer entsprechend stark belastet. Allein durch Glarus fahren pro Tag 20'000 Fahrzeuge. Das kann schon stutzig machen, insbesondere deshalb, weil während der Stosszeiten im schweizweiten Durchschnitt nur 1,1 Personen im Auto sitzen. So hoch wie die Treibhausgas-Emissionen sind, so komplex und vielseitig ist das Thema Mobilität. Dabei lohnt es sich umso mehr, den Verkehr etwas unter die Lupe zu nehmen. Heute steht in Punkto Mobilität bei der Planung oft das Auto an erster Stelle; der verbleibende Platz wird dann zwischen Fussgänger*innen und Velofahrenden aufgeteilt. Darauf machte erst kürzlich der VCS Glarus im Zusammenhang mit der geplanten Querspange Netstal aufmerksam. Es stellt sich zudem immer wieder das Problem, dass mit dem Bau neuer Strassen der Verkehr nicht ab-, sondern im Gegenteil sogar zunimmt. Eine Entlastung der Dorfkerne wird dadurch also kaum erreicht. So kommt es zu immer neuen Nutzungskonflikten zwischen Anwohnenden und Vorbeiziehenden, also dem Durchgangsverkehr. Unter ähnlichen Vorzeichen steht auch die Aufhebung des Halts der S25 in Nieder- und Oberurnen. Anstatt den ÖV als öffentliche Dienstleistung insgesamt attraktiver zu machen, werden damit Anreize gesetzt, vermehrt wieder aufs Auto zurückzugreifen. Das wirft im Hinblick auf die heutige Ausgangslage doch einige Fragezeichen auf. Dabei sind nachhaltige Mobilitätsformen nicht nur ein Gewinn für Umwelt und Klima, sondern auch für die Dorfkerne, die Verkehrssicherheit und die Gesellschaft insgesamt. Wie aber könnte ein nachhaltigerer Verkehr im Glarnerland aussehen? Ganz grundlegend ist die Förderung und Priorisierung der Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel wie Velo, Fussverkehr und ÖV. Ein Netz von schnellen, direkten und sicheren Verbindungen ist unerlässlich, um die nachhaltige Fortbewegung attraktiv zu gestalten. Eine Neupriorisierung kann gleichzeitig auch zu mehr Verkehrssicherheit führen, weil so der Langsamverkehr stärker in die Planung der Verkehrswege einbezogen wird. Nebst der Förderung umweltfreundlicher Mobilität sind weitere Massnahmen unerlässlich. Eines der wohl einfachsten, kostengünstigsten und unmittelbarsten Mittel sind konsequente Temporeduktionen. Da der Luftwiderstand nicht linear, sondern quadratisch verläuft, steigen die Emissionen mit zunehmender Geschwindigkeit ungleich stark an. Temporeduktionen bergen ein hohes Potenzial zur Reduzierung der CO2-Emissionen und sind gleichzeitig ein grosser Gewinn für das Leben mit weniger Lärm im Dorfkern, die Kinder und deren Sicherheit, die Begegnungszonen und die Luftqualität. Weiterhin könnten Car-Sharing Angebote vorerst zur Entspannung der Lage beitragen – 1,1 Personen pro Auto während Stosszeiten: Das können wir besser! Gerade im Glarnerland ist eine effizientere Auslastung des Individualverkehrs verhältnismässig leicht umsetzbar. Dank der eigentümlichen Topografie gibt es lediglich zwei Hauptverkehrsachsen. Dazu müsste das Rad nicht neu erfunden werden – Pilotprojekte wie sogenannte «Mitfahrbänkli» gibt es schon in diversen anderen Kantonen, wie Basel-Land, St. Gallen oder im Thurgau. Eine klimaneutrale Mobilität erfordert also ein Umdenken an so einigen Stellen und die Arbeit an verschiedenen Fronten. Entsprechend gross ist aber auch deren Nutzen – haben wir doch mit dem Verkehr den wichtigsten Hebel zur Bewältigung der Klimakrise in der Hand. Und im gleichen Atemzug können wir den Dorfkernen neues Leben einhauchen. Autorinnen: Eva Maria Kreis und Lisa Sulzer, Vorstandsmitglieder von KlimaGlarus.ch Dieser Beitrag ist am 15. April in den Südostschweiz Glarner Nachrichten in der Rubrik dem Klima zuliebe erschienen. Vielen Dank.