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Energie für den Winter speichern



Wasserstoff und Biomethan sollten stärker gefördert werden – beim Wohnen, bei der Mobilität und in der Industrie.


Die Schweizer Gaswirtschaft arbeitet aktiv auf das Netto-Null-Ziel des Bundes bis 2050 hin. Sie sieht sich als Teil der Lösung auf dem Weg zu einer klimaneutralen Schweiz mit einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung. Erdgas soll sukzessiv durch erneuerbare und klimaneutrale Gase ersetzt werden. Diese umfassen neben Biogas auch synthetisches Methan und Wasserstoff. Die Technischen Betriebe Glarus haben heute schon 30 Prozent erneuerbare Gase in ihrem Gasmix. Jeder Kunde kann 100 Prozent Biogas einkaufen. Die Firma Schätti in Schwanden geht als gutes Beispiel voran. Biogas entsteht durch die Vergärung von organischen Abfallstoffen wie Grüngut,landwirtschaftlichen Hofdüngern oder

Klärschlamm. Wesentlicher Bestandteil ist Methan (CH4), das auch Hauptbestandteil von Erdgas ist. Erneuerbares Gas ist nichts Neues.


Schon 1997 ging in der Schweiz die erste Biogasanlage mit Einspeisung in Betrieb. Heute

speisen in der Schweiz 37 Anlagen Biogas direkt ins Netz ein. So auch die Kläranlage

Schmerikon. Die Kläranlage Bilten benötigt ihr Biogas zur Stromproduktion. Die CO2-

Emissionen von Biogas betragen über den Lebenszyklus rund 68 Gramm CO2/kWh

(Kilowattstunde) produzierte Wärme. Andere erneuerbare Wärmequellen können diesen

Wert nicht unterbieten. Schweizweit könnten 4 TWh (Terawattstunde) Biogas pro Jahr

produziert werden – das reicht für 400000 Haushalte. Zum «grünen» Gas gehört auch synthetisch hergestelltes Methan. Wasserstoff spielt dabei eine wichtige Rolle.


Wie Studien des Paul Scherrer Instituts und der Empa zeigen,

beläuft sich das inländische Potenzial von grünem Wasserstoff aus Power-to-Gas-Anlagen

auf 5TWh. Solche Anlagen ermöglichen es, überschüssigen erneuerbaren Strom als

vielseitig verwertbare Gase zu speichern. Die grossen Potenziale für synthetische Gase bestehen zweifellos im Ausland, zum Beispiel in Island mit fast kostenlosem Strom der Kraftwerke, die mit den Gezeiten arbeiten.


So kann es künftig eine Option sein, Solarstrom aus dem Süden oder Windstrom aus dem Norden in Wasserstoff oder flüssiges Methan umzuwandeln und später ins Gasnetz einzuspeisen.


Der grosse Gewinn von Gas ist die gute Speicherbarkeit. Der Umbau des Energie-

systems gelingt, wenn er auf einem breiten Mix von Energieträgern und im Verbund der

Infrastrukturen basiert. Schon heute zeichnen sich vermehrt Strom- und Lieferengpässe im

Winter ab. Zudem werden grosse Mengen an Strom importiert, die aus nicht erneuerbaren

Quellen stammen. Mit erneuerbaren Gasen betriebene Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen

(WKK) können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Winterstromproblematik zu

entschärfen. Bei vielen industriellen Anwendungen gibt es kaum Alternativen für den Hoch-

temperaturbereich.


Auch dieses Gas kannCO2-neutral produziert und über das 20000 Kilometer lange Gasnetz in der Schweiz verteilt werden. Hochschulen und Forschungsinstitute wie die Fachhochschule Ost Rapperswil unter Leitung von Professor Markus Friedl entwickeln die Power-to-Gas-Technologie weiter. Diese bietet ein grosses Potenzial für zukunftsfähige

Energieversorgung dank Speicherung von erneuerbarem Strom im Gasnetz. Dieses Jahr

geht in Dietikon (ZH) die erste industrielle Power-to-Gas-Anlage in Betrieb. Sie nutzt den

Strom aus einer Kehrichtverwertungsanlage sowie das Klärgas und die Infrastruktur einer

Abwasserreinigungsanlage. Das wäre auch in Niederurnen möglich. Wasserstoff und Biomethan sollten also stärker gefördert werden – beim Wohnen, bei der Mobilität und in der Industrie. Heute schon tanken Fahrzeuge in Netstal und an der Autobahn CO2-neutral. Biogasfahrzeuge sind derzeit auf allen Fahrzeuglisten die Saubersten.


Wenn künftig Wasserstoff und andere erneuerbare Gase genutzt werden, bleibt die Netzinfrastruktur weiterhin wichtig. DieGlarner Gemeinden sollten deshalb prüfen, wo und wie ihre Gasnetze in Zukunft genutzt werden könne. Dadurch sind sie gut gerüstet für die Energiezukunft.

Dieser Beitrag ist am 27. Januar 2022 in den Südostschweiz Glarner Nachrichten in der Rubrik dem Klima zuliebe erschienen. Vielen Dank.